Mobile Messenger im Vergleich

Seit dem Bekanntwerden, dass sich Facebook WhatsApp einverleibt hat, stehen wieder einmal zahlreiche Alternativen zu WhatsApp im Fokus. Wie viele User letztendlich von WhatsApp zu einem anderen Messenger-Dienst wechseln werden, steht in den Sternen. Allerdings sind auf vielen Smartphones immer häufiger neben WhatsApp auch andere Dienste installiert. Denn der eine oder andere Smartphone-Besitzer wechselt tatsächlich den Anbieter, sodass auch deren Freunde teilweise mitziehen.

Die heimlichen Stars der Messenger-Apps: Threema und Telegram

Besonders hervorgetan haben sich dabei in den letzten Tagen Threema und Telegram. Daneben gibt es aber auch noch andere Dienste, die um Mitglieder buhlen. Deshalb bieten wir Dir eine Übersicht über die wichtigsten Messenger-Apps. Ob die Installation dann Sinn für Dich macht, musst Du allerdings selbst entscheiden.

Nicht anstelle von WhatsApp, dafür aber ergänzend

Jedoch – wie bereits erwähnt – kann es durchaus klug sein, wenn Du sozusagen ergänzend zu WhatsApp die eine oder andere Messenger-App installierst. Das erhöht Deine Reichweite, weil Du natürlich auch diejenigen Deiner Freunde wieder erreichen kannst, die WhatsApp den Rücken gekehrt haben. Welche Messenger sich zusätzlich lohnen, dürfte je nach Nutzer von unterschiedlichen Faktoren abhängen. In der Tat gibt es hier von Messenger zu Messenger deutliche Unterschiede.

Weshalb die beliebte Messenger-App derzeit so an Nutzern verliert

Bei WhatsApp steht natürlich am deutlichsten die offene Verbindung in der Kritik. Außerdem, dass sämtliche Daten genauso offen auf den Servern von WhatsApp gespeichert werden und Du somit keinen Einfluss mehr darauf hast, was mit Deinen Nachrichten, Kontakten usw. passiert. Dass WhatsApp nun ausgerechnet an Facebook verkauft wurde, macht genau das nicht unbedingt einfacher, gilt das soziale Netzwerk ja nicht unbedingt als Vorzeigeseite für Datenschützer. Es gibt darüber hinaus natürlich noch mehr Messenger-Apps, als wir Euch hier vorstellen. Jedoch sind die hier vorgestellten aufgrund ihrer Verbreitung am wichtigsten. Dazu gehören die folgenden Apps:

Google Hangouts (Talk) – Joyn – KakaoTalk – Line – Telegram – Threema – Viber – WeChat – ChatOn

ChatOn ist die Messenger-App von Samsung. Doch sie funktioniert nicht nur auf Geräten des südkoreanischen Herstellers. Neben Android funktioniert der Messenger auch unter Bada, Blackberry, iOS und Windows Phone. Nicht benutzt werden kann es für einige Nokia Smartphones (S40) und dem Nokia-Betriebssystem Symbian.

Die Daten werden verschlüsselt, ansonsten verfügt ChatOn so ziemlich über dieselben Funktionen wie WhatsApp, kommt aber mit einer professionelleren Oberfläche. Außerdem kann der Messenger von Samsung auf mehreren Geräten genutzt werden und ist kostenlos. Der wohl größte Nachteil: trotz der enormen Verbreitung von Samsung Smartphones nur wenige User.

Google Hangouts

Als Messenger-App lässt sich die Anwendung sicher nicht betrachten. Eher ist Hangouts, das aus Google Talk hervorging, für Videochat und als Rundum-Chat zu betrachten. Fotos können eingebunden werden. Hangouts kann auf mehreren Geräten verwendeten werden und synchronisiert sämtliche Devices. Da es auch über einen Google Account erhältlich ist, dürfte die Verbreitung verhältnismäßig groß sein.

Nun ist es nicht direkt eine Konkurrenz zu WhatsApp, sicherlich aber für den einen oder anderen von Euch eine gute Alternative, da ebenfalls kostenlos. Jedoch wird auch hier wieder alles auf den Servern von Google, einem US-Konzern, gespeichert.

Joyn

Auch deutsche Unternehmen wie die Telekom, Vodafone und O2 würden sich gerne ein Stück des Messenger-Kuchens für den verlorenen SMS-Markt zurückholen. So haben die drei Provider zusammen Joyn gegründet. Allerdings ist auch das nicht wirklich eine Alternative. Die Verbreitung ist nicht besonders hoch und das wird sich wohl auch nicht ändern, denn bei Joyn handelt es sich um einen kostenpflichtigen Dienst, bei dem die drei Provider knackige Minutenpreise aufrufen.

KakaoTalk

Was sich irgendwie anhört wie der alternative Chat von deutschsprachigen Umweltaktivisten, kommt in Wirklichkeit aus Asien. Nennenswert ist die App, weil sie ungefähr 50 Millionen User hat, jedoch in ihrem Stammland Südkorea. Ob sie sich also in Europa ebenso gut verbreiten kann, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Line

Die Anwendung kommt ursprünglich aus Asien und hätte das Zeug zum echten Geheimtipp. In der Schweiz wird Line schon fleißig verwendet, ansonsten befinden sich die meisten der rund 300 Millionen Nutzer hauptsächlich in Asien. Aber vielleicht gelingt den Asiaten ja der Sprung über die Schweiz in das restliche Europa.

Denn die App bietet einige weitere interessante Features. So sind auch Voice-Calls möglich (die Gebühren von Deinem Provider beachten!). Daneben ist auch eine Kameraerweiterung dabei, die eindeutig Instagram Konkurrenz macht. Grußkarten lassen sich verschicken, ebenso Fotos, die als Sticker geändert wurden.

Wenn Du in der Schweiz bist, könnte Line eine echte Alternative zu WhatsApp sein. Line läuft auf sämtlichen Betriebssystemen wie iOS, Android oder Blackberry. Der ausgeprägte Mobile Social Media und Netzwerk Charakter ist es, der die App selbst für Google+ oder Facebook zur echten Herausforderung mutieren lassen könnte. Größter Nachteil für diejenigen, die Datensicherheit schätzen: keine Datenverschlüsselung.

Telegram

Telegram ist neben Threema seit dem WhatsApp-Kauf durch Facebook in aller Munde. Gegründet wurde die App von zwei russischen Unternehmern, allerdings ist der Firmensitz das datenschutzrechtlich sichere Deutschland.

Die App bietet ganz im Trend liegend eine End-to-End-Verschlüsselung an. Allerdings musst Du die Verschlüsselung erst als „Secret Chat“ aktivieren. Andernfalls sendest Du nicht verschlüsselte Nachrichten. Standorte und Datenanhänge können versendet werden, auch Gruppenchats bis 100 Personen sind möglich bei Telegram.

Ergänzend kannst Du Nachrichten zu jedem Zeitpunkt zerstören lassen, die Mitteilung wird dann vollständig geschreddert. Besonders interessant an Telegram: Telegram ist die einzige Messenger-App, bei der der Software-Quellcode zumindest zum Teil offenliegt. Zwar bedeutet auch das keine hundertprozentige Transparenz bei Telegram, allerdings so viel wie sonst nirgendwo.

Durch die WhatsApp-Unsicherheit schwappen richtig viele Nutzer zu Telegram. Nach eigenen Angaben bis zu 800.000 täglich. In Deutschland wird Telegram damit immer beliebter. Selbstverständlich läuft Telegram auf iOS und Android, aber auch auf einem Mac oder bei Windows kannst Du damit per Web-Interface loslegen. Telegram kannst Du kostenlos und ohne Folgekosten auf Dein Smartphone oder Tablet laden.

Threema

Neben Telegram ist Threema der zweite große Renner seit dem Facebook-Kauf. Threema ist vor allem gerade deshalb im deutschen Smartphone-Raum so beliebt, weil Sicherheit hier ganz groß geschrieben wird. Die End-to-End-Verschlüsselungen gestatten es auch dem Anbieter selbst nicht, auf Inhalte zuzugreifen. Allerdings bedeutet das andererseits bei Threema auch Einschränkungen.

Der Gruppenchat kann nicht erweitert werden und ist auf 20 Teilnehmer beschränkt. Derzeit lässt sich Threema nur auf einem Gerät installieren. Die App von Threema wird für eine einmalige Gebühr von unter 2 Euro für iOS und Android angeboten. Web-Interfaces stehen ebenfalls nicht bei Threema zur Verfügung. Dafür ist es aber die Sicherheit, bei der Threema hier so sehr punktet, dass es so beliebt ist.

Viber

Viber gibt es schon länger und galt für viele WhatsApp-Ablehner als Alternative. Denn neben den herkömmlichen Funktionen besteht auch die Möglichkeit der Internettelefonie. Allerdings hat Viber ein Schicksal ereilt, an dem WhatApp ebenfalls gemessen wird: die Datensicherheit. Sämtliche Daten werden unverschlüsselt bei Viber auf den Servern gespeichert und der Dienst kann sich dabei durchaus als datenhungrig beschreiben lassen.

WeChat

WeChat wird auch immer wieder erwähnt, wenn es um Messenger-Apps geht. Tatsächlich hat das aus China stammende Programm (Shenzhen) über 200 Millionen Nutzer. Doch wie bei allen anderen Messenger-Apps aus Asien sind es wieder vornehmlich Asiaten, die WeChat nutzen. Dafür funktioniert WeChat neben Android und iOS auch auf den Betriebssystemen Symbian (Nokia) und Windows Phone (Microsoft). Hervorzuhebende Features wären Voice und Videochat. Außerdem kann über eine Button-Hold-on-Funktion eine Sprachnachricht aufgesprochen und versendet werden.

Fazit

Wer viele Bekannte in Asien hat, dürfte eine große Auswahl an Messenger-Apps haben. Aber das ist wohl eher unwahrscheinlich. Gerade in Zeiten von NSA-Skandal und an Fahrt aufnehmender Unbeliebtheit von Facebook dürften für viele Smartphone und Tablet Besitzer Telegram und Threema die einzigen richtigen Alternativen sein.